(...) Die platonische Theorie der persönlichen Liebe wird im "Phaedrus" entwickelt. Hier, im Zentrum der Analyse der Anziehung zur Schönheit menschlicher Formen, erforscht Platon (mit seiner dialogisch-dialektischen Methode) die Fragen nach der Natur der Liebe sowie die Natur und die komplexe Dynamik der romantischen Beziehung. Im Verlauf der Überlegungen des Philosophen treten systematisch Elemente seines Denkens zutage, die die Untersuchung seiner Ansichten zu den spezifischen und kritischen Fragen von Vergnügen, Anderssein und Reaktion auf Liebe, dem Charakter und Verhalten der beiden Partner und der praktischen Entwicklung der romantischen Bindung begünstigen. Für Platon liegt die Besonderheit der Anziehung, die von der Anwesenheit einer menschlichen Form ausgeübt wird, darin, dass sie die Dimension der Schönheit individualisiert, die die Vorliebe des von Liebe ergriffenen Wesens ausdrückt. Es ist ein Verlangen nach physischer Unmittelbarkeit, aber von metaphysischem Ursprung, insofern als die geliebte Person Träger der Reflexion idealer Schönheit ist, die die Seele des Liebenden (desjenigen, der liebt) durch das Betrachten während ihres nicht-körperlichen Lebens faszinierte. Diese anfängliche Bestimmung der romantischen Emotion legt die Ausrichtung der platonischen Problematik nahe: Der ontologische Kern des romantischen Phänomens muss in einem Raum der Transzendenz gesucht werden, wo die individuelle Seele, autonom von der Materialität des Körpers, durch den Anblick idealer Schönheit angezogen wird; so manifestiert sich der Impuls zur Schönheit ursprünglich. (...) [Auszug aus dem Text des Vorworts]
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