Debbie Kizm beschäftigt sich ständig mit Tausenden von SMS und Nachrichten auf WhatsApp. Jede Woche wird die Mitarbeiterin der Scheidungs- und Familienabteilung der Anwaltskanzlei Stewarts in London aufgefordert, unzählige Akten sorgfältig zu studieren, die die genauen Scheidungsfälle betreffen, die sie übernimmt. Der Inhalt besteht aus spontanen und unbearbeiteten Nachrichten, die einst ehemalige Partner ausgetauscht haben, die sich nun in einem tiefgreifenden Konflikt befinden und um große Vermögen streiten. „In den analogen Tagen der Vergangenheit präsentierten mir die streitenden Parteien Karten oder Briefe, um ihre Positionen zu untermauern“, erklärt sie. „Heutzutage werden unendliche Reihen von Nachrichten über WhatsApp und SMS als Beweismittel vorgelegt. Die meisten davon sind extrem. Die beteiligten Parteien drücken ihre Wut unkontrolliert aus, etwas, das sie in Briefen oder Karten, die mir vor zwanzig Jahren vorgelegt wurden, nicht konnten. Wenn jemand aufgefordert wurde, sich per Brief auszudrücken, dachte er viel mehr über seine Worte nach. Es ist einfach, in einer Nachricht zu sagen ‚Ich hasse dich‘. Digitale Kommunikation ist ungefiltert und verletzt die Betroffenen viel stärker, wenn sie vor Gericht gelesen wird. Sie ist viel schärfer und kann größeren Schaden anrichten.“
Bei Scheidungen entstehen immer Konflikte. Das Ende einer Ehe ist schmerzhaft. Die digitale Welt beeinflusst jedoch unsere Beziehungen erheblich, nicht nur zu Beginn, sondern auch beim Ende. Heute ist jede fünfte Scheidung in den USA mit einer Aktivität auf Facebook verbunden. In Europa, insbesondere in Italien, sind 40 % der Scheidungen, die mit Untreue in Verbindung stehen, mit WhatsApp-Nachrichten verbunden, die als Beweismittel verwendet werden. Debbie weiß aus erster Hand, wie die digitale Welt Beziehungen und Familien beeinflusst, was noch mehr Paare vor Gericht und natürlich in ihre Kanzlei bringt.